RONDJE NOORDZEE





Hamburger Abendblatt

10 augustus 2002

Von Harburg rund um die Nordsee



Uschi Tisson

Radtour - Fast 6000 Kilometer im Fahrradsattel - über DÄnemark, Norwegen, die Britischen Inseln und Holland. Ein PÄrchen aus Marmstorf hats gemacht.

Harburg - WÄhrend die Weltelite der Fahrradfahrer im vergangenen Monat bei der Tour de France um Lorbeeren kÄmpfte und sich ein spektakulÄres Rennen lieferte, haben Julia Braun (21) und Johannes Mayer-Lindenberg (20) aus Harburg in 39 Tagen ihren eigenen Weltrekord aufgestellt. Unbeachtet von der öffentlichkeit und fernab vom Trubel der Großstadt machten sie sich Ende Juni, ausgestattet mit simplen FahrrÄdern für den Hausgebrauch, auf den Weg: einmal rund um die Nordsee. Im spÄrlichen GepÄck hatten die beiden nur das Allernötigste: Ein bisschen was zum Essen, Reiseunterlagen und dazu noch eine Bibel. UnabhÄngig von einander lasen die beiden vor einem Jahr einen Artikel im Hamburger Abendblatt über die Einrichtung der "North Sea Cycle Route", einem 5942 Kilometer langen, von der EU als Tourismusprojekt geförderten Radwanderweg durch Nordeuropa. Julia hing sich diesen Zeitungsartikel an ihrer Zimmerwand im Ulenlock 14 in Marmstorf auf. Vorerst blieb es nur ein großer Wunsch, diese Route nachzufahren. Doch ihr Freund Johannes bereitete still und heimlich die Reise vor und überraschte seine Freundin schließlich mit einer komplett ausgearbeiteten Reisemappe.

Detailliert hatte er aufgeführt, wie lange in welcher Zeit gefahren wird. Die Nordseeroute sollte sie über DÄnemark, Schweden, Norwegen, Schottland, England und Holland zurück nach Harburg führen.

Bereits am zweiten Tag lernten Julia und Johannes ein nicht zu unterschÄtzendes Hindernis kennen: Den Gegenwind. "Kaum Richtung Schleswig-Holstein unterwegs, machte der uns arg zu schaffen, sagt Julia. "Der ist schlimmer als Berg hochfahren." Und deshalb beschlossen sie vorab, Schweden ganz aus ihrer Planung zu streichen. "Das haben wir bedauert. So haben wir uns jedoch den Druck genommen und sind die Reise lockerer angegangen. Die Zeit, pünktlich wieder zu Hause zu sein, saß uns ja ohnehin im Nacken. Und die anderen LÄnder haben uns auch total begeistert. Jedes hat sein Reiz."

Eine reizvolle Station war das norwegische Bergen. Den Aufenthalt haben die beiden in bester Erinnerung, weil Julia in der schönen Stadt ihren 21. Geburtstag feierte.

Was den Fahrradfahrern denn besonders gefallen habe? "Die Shetland-Inseln mit ihrer einmaligen Tier- und Pflanzenwelt", sind sie sich einig. Und auch der Trip durch Schottland lÄsst bleibende Eindrücke zurück: "Da hatten wir drei Pannen hintereinander - insgesamt waren es nur fünf wÄhrend der gesamten Tour - und bevor die Reparatur nur für einen freundlichen HÄndedruck übernommen wurde, gab es für uns jedesmal eine gute Tasse Tee."

Hier brauchten Julia und Johannes auch keine Übernachtungssorgen in überfüllten oder geschlossenen Jugendherbergen fürchten: "Die Menschen dort sind so nett, dass sie uns die Couch im Wohnzimmer zum Schlafen angeboten haben."

Durchschnittlich legten die Radfahrer rund 130 Kilometer am Tag zurück. Johannes verfügt durch sein sportliches Hobby - er ist Schiedsrichter beim HTB - über eine gute Kondition. Julia hatte gar kein besonderes Trainingsprogramm. Aber kein Problem: Sie legte von Tag zu Tag erst nach größeren Fahrabschnitten Pausen ein und wurde nach und nach immer ausdauernder.

"Wir sind froh, diese Reise gemacht zu haben", freuen sich Julia und Johannes über den gelungenen Urlaub. "Und das war jetzt der richtige Zeitpunkt nach dem Abi am Harburger Lessing-Gymnasium." WÄhrend Johannes bis zum Beginn seines Zivildienstes in einer Blankeneser Drogeneinrichtung bis September Zeit hat, fing Julia bereits zwei Tage nach ihrer Ankunft zu Hause ein so genanntes "Freiwilliges ökologisches Jahr" auf Neuwerk an.

Für beide steht fest: Das war absolut keine Gewalttour. "Der Spaß stand immer im Vordergrund und wir können nur jedem empfehlen, die Route nachzufahren. Besonders dann, wenn man einmal Zeit zum Nachdenken nötig hat."

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